Wandel

Alles ändert sich, nichts bleibt wie es ist, es wandelt sich im Innen und im Außen stetig. Schon vor 2500 Jahren formulierte der griechische Philosoph Heraklit von Ephesus: "Nichts ist so beständig wie der Wandel." Die Veränderungen im Außen verändert immer auch etwas im Innen und umgekehrt.

Jetzt im Herbst spüren wir diesen äußeren Wandel besonders: es ist früher dunkel, man ist wieder mehr drinnen, auch unseren Rhythmus ändert sich. Morgens ist es noch länger dunkel, es fällt uns evtl. schwerer in den Tag zu starten. Weniger Tageslicht führt häufiger zu Herbstdepression (hier kann in schwerwiegenderen Fällen ggf. ein gutes und hochdosiertes Johanniskrautpräparat helfen). Zur Prävention sind täglich 30-45 min im Tageslicht bewegen angesagt. Tageslicht tanken, Bewegung, frische Luft – all das hilft. Umso schöner ist dann die Kontrastbildung (baden, heiße Suppe, Sauna oder Tee etc.). Genau das (raus gehen, bewegen) fällt uns häufig jedoch auch schwerer im Herbst, insbesondere dann, wenn das Wetter eher nach Couch ruft. Wir essen auch anders: weniger frischen Salat mehr Süßes, schwerer und fettiger (auch dies hat einen evolutionären Sinn → Winterspeck anfressen). Wir können diese Gemütlichkeit im Herbst jedoch auch zelebrieren: wir haben wieder mehr Zeit und Muße für schöne Musik, Bücher lesen, schreiben, Hörspiele/Podcast hören, kreativ sein etc. Die dunklere und kältere Jahreszeit bringt andere Qualitäten mit sich: mehr Introspektion.

Wandel kann aber auch manchmal schnell gehen und darf uns auch Freude machen. Er fordert uns auf, mitzugehen, flexibel zu sein, zu akzeptieren was ist und in jedem Moment neu präsent zu sein. Er kann aber auch mühsam sein (du weißt wie schwer es ist, eingefahrene Gewohnheiten und Muster im Denken und/oder Handeln zu verändern ). Es erfordert Geduld, vor allem mit uns selbst. Daher gilt es hier jeden noch so kleinen Schritt in die gewünschte Richtung zu feiern und zu bestärken.

Auch wenn sich das Leben selbst stetig wandelt und alles was lebt, so scheint es uns doch oft, dass manches sich nie ändert. So haben wir oft immer wiederkehrende gewohnheitsmäßige, oft unbewusste Gedanken oder Verhaltensweisen, die immer wieder zu gleichen oder zu mindestens ähnlichen Konsequenzen führen. Dies vermittelt uns den Eindruck, dass sich nichts ändert, was ein Trugschluss ist: wir erschaffen das "alte/gleiche" immer wieder neu! Das macht Veränderung schwer. Schon Albert Einstein soll gesagt haben: "Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."

Wir sind nun mal Gewohnheitstiere, das hat damit zu tun, dass uns eingefahrene Muster am wenigsten Energie kosten, denn sie laufen automatisch ab und sind somit effizient (nicht zu verwechseln mit effektiv!), das heißt sie sind energiesparend. Deshalb sind wir meist im "Autopilot" unterwegs. Gerade in stressigen Phasen greifen unsere alten Muster am stärksten, genau aus diesem Grund, denn sie kosten uns am wenigsten Energie. Sich bewusst zu verändern, an sich "zu arbeiten" und seine Ziele zu verfolgen kostet Energie. Jeder der schon mal aktiv versucht hat eine Gewohnheit zu verändern oder zu etablieren weiß wovon ich spreche. Es erfordert Bewusstsein und Achtsamkeit, das alte Muster zu bemerken, es zu unterbrechen (oder zu unterdrücken) und sich bewusst, aktiv für ein alternatives neues Muster (Verhalten oder Gedanken) zu entscheiden und dieses auch noch umzusetzen. Es handelt sich hierbei um einen hoch aufwendigen Prozess und ist somit eine riesen Leistung!! Weil wir also erstmal investieren, ist diese Art der Veränderung ein Luxus, der nicht einfach "nebenbei" zu bewerkstelligen ist. Wenn wir Gedankenmuster oder Verhaltensweisen verändern wollen, dann kostet das Ressourcen (Kraft und Zeit etc.) die wir uns nehmen und auch erstmal haben müssen. Das erklärt auch, warum wir in solchen stressigen Phasen genau diese Dinge als erstes wieder einstellen (z.B. Laufen gehen, Yoga) und in alte Muster (z.B. Netflix glotzen, Süßigkeiten essen) zurückfallen. Umso wichtiger ist es dann uns nicht dafür zu verurteilen oder gar aufzugeben, sondern immer wieder unsere Ansprüche an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen (Mini-Evolution). Statt 20 Minuten Yoga dann eben nur 5 Minuten etc. Und es ist sinnvoll und motivierend diese Veränderungen möglichst attraktiv zu gestalten, damit es uns leichter fällt (also mach dir schöne Musik an, mach einen Sport der dir Freude macht, gestalte deine gesunde Ernährung genussvoll etc.)

Auch in unserer Kultur gibt es Rituale, die dieses ständige Loslassen und Neubeginnen markieren z.B. an Silvester. Aber auch andere Rituale am Ende eines großen (Junggesellen-abschied/Babyparty) oder kleinen Abschnitts (Tag/Woche/Monat) in denen wir Rückblicken und anschließend bewusst loslassen (z.B. Tagebuch führen) kann hilfreich sein. Eine schöne Idee hierfür ist ein Letgo-RitualEin wichtiger Aspekt beim "hinter sich lassen" und Weitergehen kann Vergebung sein: sie macht mich frei, wenn ich anderen oder auch mir selbst vergeben kann für Vergangenes.

Das Leben ist im Fluss und der stetige Wandel ermöglicht uns, sich bewusst neu auszurichten. Er erfordert aber auch, nach Innen zu gehen, was im Herbst und Winter eine ganz natürliche und sinnvolle Verhaltensweise ist: die Natur sammelt neue Kräfte, manche Tiere machen Winterschlaf. Auch wir verspüren meist ein Bedürfnis nach mehr Ruhe, Rückzug, Besinnlichkeit und Gemütlichkeit. Langsamer werden und sich Zeit zu nehmen, für das was uns wirklich wichtig. Eine willkommene Gelegenheit, sich Gutes zu tun (Baden oder nach einem Spaziergang einen schönen heißen Tee/Kaffee/Glühwein trinken). Es ist eine Zeit, uns gut zu nähren (Bücher, Musik, Ernährung, Menschen), unseren inneren Akku wieder aufzuladen.

Mit dem Wandel zu gehen heißt flexibel zu sein: akzeptieren was ist und dennoch offen bleiben für das was kommt. Es bedeutet eine Gelassenheit zu entwickeln, durch das Wissen, dass nichts bleibt wie es ist: weder das Angenehme, noch das Unangenehme und dass ich einen Einfluss habe im Hier und Jetzt. Manchmal nicht auf die Rahmenbedingungen, aber jederzeit auf unsere Bewertung dieser. Dies erfordert inne zu halten (aus dem "Autopilotmodus" auszusteigern) und evtl. eine Außenperspektive einzunehmen oder sich die Zeit zu nehmen nach innen zu gehen.

Kürzlich beobachtete ich eine Mutter beim Abholen ihres Kindes in der Kita. Sie war sehr gestresst, unter Zeitdruck und das Kind ließ sich Zeit beim Anziehen. Das führte dazu, dass die Mutter sehr abwertend und grob mit ihrem Kind umging, damit drohte ihn dort zu lassen, ihn fest am Arm packte etc. Als dieses schließlich zu weinen begann, konnte man gut beobachten, wie etwas in der Mutter sich veränderte. Sie hatte Mitgefühl, vielleicht auch ein Schuldgefühl und bemerkte die Auswirkungen ihres Handelns. Sofort veränderte sich ihr Blick und ihre Stimme, sie wurde weicher, nahm das Kind in den Arm tröstete es und half ihm beim Anziehen. Das sichtbare Leid des Kindes bekam eine höhere Priorität als pünktlich zum nächsten Termin zu erscheinen. Wie gehen wir mit uns und denen, die wir Lieben um, wenn wir unter Druck stehen? Und wie viel von dem Druck erzeugen wir selber bzw. können wir selbst verringern?

Wir wissen, dass positive Gedanken besser für uns sind und trotzdem fällt es uns häufig schwer aus der "Negativspirale" auszusteigen. Aus der Forschung wissen wir, dass der Mensch über ein "katastrophisches" Gehirn verfügt, d.h. es registriert mehr negative Dinge als Positive. Früher war dies überlebensnotwendig, heute führt es schnell zu Dauerstress. Achtsamkeit hilft uns, zu erkennen wann wir in der Negativsprirale stecken und ermöglicht uns auszusteigen. Daher ist es äußerst sinnvoll unserem Gehirn hier einen neuen Fokus in der Aufmerksamkeitslenkung zu geben. Dies üben wir z.B. in Form eines "positiven Tagesrückblicks"  im Dialog oder in Form eines Dankbarkeits- oder Glückstagebuchs

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FOLGE der FREUDE, Deine Sunniva